Der Kontrast als Gestaltungsmittel

Kontraste im Leben und in der Gestaltung

Mag sein, dass Gleich und Gleich sich sprichwörtlich gern gesellt. Dennoch ist auch nicht zu leugnen, dass viele aus eigener Erfahrung berichten können, dass sie ausgerechnet mit dem Elternteil, mit dem Sie die größte Ähnlichkeit in der Persönlichkeit verbindet, am meisten Reibungspunkte erlebt haben – oder noch erleben. Beziehungsforscher beschäftigen sich schon lange mit dem Thema und haben herausgefunden, dass das Geheimnis einer glücklichen Beziehung oftmals in ähnlichen Interessen und Werten bei einer zugleich unterschiedlichen Persönlichkeit liegt. Interessanterweise liegt es bei gestalterischen Kompositionen ganz ähnlich wie bei zwischenmenschlicher Kooperation: Um das menschliche Auge anzusprechen, braucht es ein erkennbares, ähnliches Thema als Zusammengehörigkeitsmerkmal, während eingebaute Kontraste Spannung schaffen und akzentuieren, damit die Wahrnehmung lebendig bleibt.

Damit diese Gratwanderung gelingt, braucht es ein feines Gespür für harmonische Kombinationen – zu viel Kontrast wirkt schnell unruhig, während zu viel Gleichartigkeit langweilig erscheint. Aber Kontrast ist nicht gleich Kontrast: Sowie man zwischen Form, Farbe, Ausrichtung im Raum, Größe, Helligkeit und vielem mehr unterscheiden kann, so sind auch vielseitige Arten von Kontrasten möglich.

Hell-Dunkel-Kontrast

Besonders beachtenswert ist der Hell-Dunkel-Kontrast, der in der Kombination der sogenannten Nicht-Farben Schwarz und Weiß seine stärkste Intensität erreicht: Er ist tatsächlich unabdingbar, damit wir Formen überhaupt erkennen können, denn nur durch den Hell-Dunkel-Kontrast wird eine optische Abgrenzung möglich. In der Malerei sorgt dieser Kontrast zudem dafür, dass räumliche Effekte entstehen.

Die faltbare Leder-Geldbörse von Mokum zeigt durch ihre Kombination zwischen hellem Innenmaterial und dunkler Außenseite, wie effektvoll sich der Hell-Dunkel-Kontrast präsentieren kann. Zugleich wird hier deutlich, dass ein Hell-Dunkel-Kontrast nicht immer nur aus Schwarz-Weiß bestehen kann, sondern durchaus auch als eine Art des Farbkontrastes verstanden werden kann.

Farbkontrast

Besonders bekannt und in der Gestaltung beliebt sind Farbkontraste: Hier gibt es viele unterschiedliche Möglichkeiten, sowohl was die Qualität der Farben (intensiv/schwach), als auch die Quantität der Farben (Größenverhältnis zueinander) betrifft, aber auch in Bezug auf deren Verhalten zueinander. So ergänzen sich beispielsweise die sogenannten Komplementärfarben-Paare (Rot-Grün, Blau-Orange, Gelb-Violett) gegenseitig in komplementärer Mischung zu reinem Weiß – ihre Leuchtkraft verstärkt sich deshalb in Verbindung mit der jeweils komplementären Farbe und schafft den sogenannten Komplementär-Kontrast. Ebenfalls spannend sind Warm-Kalt-Kontraste, bei denen warme Farbtöne mit kühlen Farbtönen kombiniert werden, um unter anderem räumliche Tiefenwirkung zu schaffen und die emotionale Seite des Betrachters anzusprechen.

Formkontrast

Spannungsreich präsentiert sich der Formkontrast: Er ergibt sich aus einer Kombination von Ecken und Rundungen, Geraden und Kurven. Gezielt eingesetzt, kann diese Art Kontrast Spannungen aufwerfen und das Auge fesseln. Ein gutes Beispiel hierfür bietet das Pflanzgefäß Boskke Cube von Boskke, das Sie in unserer Kategorie Garten finden. Das Gefäß aus robustem, transparentem Kunststoff zeigt in der äußeren, quadratischen Form klare Kanten. Das Innere allerdings, indem die Pflanze und das Erdreich sitzen, hat die für Blumentöpfe typische zylindrische Form. Dadurch offenbart das durchsichtige Material nicht nur einen interessanten Blick auf Erde und Wurzelwerk, sondern auch den spannungsreichen Kontrast zwischen Ecke und Rundung. Damit zeigt der Designer-Blumentopf anschaulich die starke Wirkung des Formkontrastes, der das Pflanzgefäß zu einem absoluten Hingucker macht.

Quantitäts-Kontrast

Der wahrscheinlich komplexeste Kontrast ist der Quantitäts-Kontrast. Seine Wirkung beruht darauf, dass unterschiedliche Flächengrößen z.B. verschiedener Farben, Helligkeitstufen oder Formen nebeneinander gestellt werden – die bereits genannten Kontrastarten werden quasi mit dem Quantitätskontrast in ein Verhältnis gesetzt. Dabei lassen sich in der Theorie neben konkreten Zahlenwerten auch einfache Relationen wie viel und wenig oder groß und klein zur Bestimmung verwenden. In der Praxis werden diese Quantitäten allerdings oft Intuitiv eingesetzt: In der Gestaltung sind sie es, die maßgeblich bestimmen, ob ein Bild oder Gegenstand harmonisch auf den Betrachter wirkt oder eher unruhig. Die unterschiedlichen Mengenanteile werden dabei gezielt eingesetzt, um Spannung und Lebendigkeit zu erzeugen.

Kontraste schaffen Spannung und Lebendigkeit

Selbstverständlich ist die obige Aufzählung verschiedener Kontraste, sowie deren Wirkung und Einsatzmöglichkeiten nicht vollständig. Dafür ist der Kontrast als solcher ein viel zu vielseitiges und effektvolles Stilmittel, das uns nicht nur in der Kunst und in der Gestaltung, sondern auch im Alltag fortwährend begleitet. Blicken Sie nur um sich – bestimmt werden Ihnen nun die Kontraste, die das Leben schmackhaft machen, umso mehr ins Auge springen: Egal ob in der Gestaltung, in der Wahl von Partnern und Freunden, in der Freizeitgestaltung oder sogar beim Kochen am heimischen Herd. Denn wie heißt es so schön? Unterschiede sind das Salz in der Suppe des Lebens.

 

Veröffentlicht am 26.08.2016

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