Konstantin Grcic Abbildungen/Figures

Konstantin Grcic Abbildungen/Figures

Das Buch „Konstantin Grcic Abbildungen/Figures“ ist im Schweizer Verlag Lars Müller Publishers erschienen. Es ist der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung in der Kunsthalle Bielefeld. Die Publikation wurde in Zusammenarbeit mit Konstantin Grcic erarbeitet und bietet einen unkonventionellen Blick auf seine Entwürfe.

 

Der Industriedesigner der Gegenwart: Konstantin Grcic

Konstantin Grcic ist ein einflussreicher Industriedesigner der Gegenwart, der seit 1991 sein Designbüro KGID (Konstantin Grcic Industrial Design) betreibt. Der gebürtige Münchner war und ist für maßgebende designorientierte Unternehmen tätig wie zum Beispiel Magis, Plank oder Vitra. Seine Karriere startete Grcic 1985 mit einer Ausbildung zum Möbelschreiner an der John Makepeace School des Farnham College in Dorset, worauf er ein Studium im Fach „Industrial Design“ am Royal College of Art in London aufnahm. In seinen Anfangsjahren wurde er durch den Fokus auf verständliche Formen und die Arbeit mit zurückhaltenden Materialien dem Neuen Funktionalismus zugeordnet. Besonderes Interesse erregte Grcic jedoch durch seine konzeptionelle Herangehensweise: „Grcic ergründet bei vielen seiner Ideen und Aufträge zunächst die herkömmlichen Produktionsweisen und wendet sie dann selbst in modifizierter Form an“, beschreibt Friedrich Meschede den Ansatz, der beim „chair_ONE“ (2004) gut zur Geltung kommt. Denn die industrielle Machbarkeit und gusstechnische Möglichkeit bestimmten die Gestaltung der gitterartigen Sitzschale des Stuhls mit. Der „chair_ONE“ ist zum Emblem für Grcics Design geworden und gilt bereits heute als Designklassiker. Diese und weitere Entwürfe sind zudem in wichtigen Designsammlungen der Welt wie die des Museum of Modern Art in New York oder der Neuen Sammlung in München zu finden.

 

Der Sockel als Bindeglied zwischen Kunst und Design

Ausgangspunkt und Grammatik bei der Konzeption der Ausstellung in Bielefeld war der Sockel. Mit dem Sockel-Motto wird eine Ausführung des „chair_ONE“ für Außenräume aufgegriffen, bei dem die markante Sitzschale konisch zuläuft und auf einem Sockel aus Beton befestigt ist. Zugleich wird mit dem Sockel auf eine Präsentationsform in der Kunst referiert, die insbesondere bei Skulpturen prominent eingesetzt wird. Mit einem Sockel wird das ausgestellte Objekt erhöht und es wird eine besondere visuelle Aufmerksamkeit erzeugt. Das wird bereits an dem „chair_ONE“ mit Betonfuß deutlich, wodurch die formalen Aspekte der Sitzschale betont werden. In der Ausstellung werden viele Produkte durch den musealen Kontext und eigens für sie angefertigte Sockel zu autonomen Formen ohne alltäglichen Gebrauchswert. Mit der Betonung des gestalterischen Aspekts der Designobjekte bezieht sich die Ausstellung zudem auf den Architekten der Kunsthalle, Philip Johnson. Inspiriert vom Bauhaus und noch in der Funktion als Kurator der Designabteilung des Museum of Modern Art in New York bewertete Johnson schon in den 1930er Jahren Industrieprodukte gleichrangig zur Bildenden Kunst und führte erste Ausstellungen durch.

 

Experimentelles Zusammenspiel zwischen Text und Bild

In dem Buch „Konstantin Grcic Abbildungen/Figures“ werden ebenfalls die Präsentationsformen der Objekte aufgegriffen. Dafür wurden unterschiedliche Darstellungen sowie verschiedene fotografische Rezeptionen zusammengestellt: Produktblätter treffen auf Werbeanzeigen und Prospekte, Plakate, Magazinbeiträge sowie Titelbilder und Renderings für die Ausstellung in Bielefeld. Durch diesen experimentellen Ansatz wird ebenso wie in der Ausstellung die charakteristische Form der Gegenstände betont. Auslöser für diese experimentelle Herangehensweise war der Ausstellungstitel „Abbildungen“, der den Katalog auch formal bestimmt, indem das Abbildungsverzeichnis prominent an den Anfang gesetzt wurde und sich die Bildnummern auf dem Cover befinden. Zudem wurde das Thema bei der Gestaltung des posterartigen Schutzumschlages aufgegriffen, auf dem unterschiedliche Produktdarstellungen zusammengeführt werden. Ergänzt werden diese ‚Abbildungen‘ durch Ausstellungsansichten, die einen umfassendes Einblick in die Schau ermöglichen. Bindeglied dieser unterschiedlichen visuellen Präsentationsformen sind zwei Textbeiträge von dem Leiter der Kunsthalle Bielefeld, Friedrich Meschede, und der Designexpertin Robin Schuldenfrei. Während Meschede die Bedeutung des Sockels für Kunst und Design im Zusammenhang mit der Ausstellung erläutert, stellt Robin Schuldenfrei das Designverständnis von Konstantin Grcic vor und betont die Geschichtlichkeit seine Ansätze. Die auf Deutsch und Englisch vorliegenden Texte bieten eine sinnvolle Ergänzung zu dem von strobo Design Berlin München auffallend gestalteten Buch.

 

Der Verlag Lars Müller Publishers

Der Verlag Lars Müller Publishers hat seinen Sitz in Zürich und wurde 1983 auf Initiative des Designers Lars Müller gegründet. Seitdem hat sich das international agierende Verlagshaus durch hochwertige Veröffentlichungen in den Bereichen Architektur, Design, Fotografie, zeitgenössische Kunst und Gesellschaft einen Namen gemacht.

Konstantin Grcic Abbildungen/Figures*

Veröffentlicht am 15.11.2017

Zur Übersicht
Top