Geschlechterrollen und -klischees – Es lebe der Unterschied!

Die zerstörerische Kraft von Klischees

Viele Klischees sind irgendwie lustig, aber manchmal hört der Spaß auch auf: Angefangen bei „Mädchen können kein Mathe!“ und „Echte Jungs weinen nicht!“, bis hin zu „Frauen haben in Führungsetagen nichts verloren“ und „Männer haben keine Ahnung von Kindererziehung“ können Geschlechterklischees eine wirklich zerstörerische Kraft entwickeln, die uns unserer Kreativität und Schaffenskraft beraubt und Menschen daran hindert, ihre Persönlichkeit frei zu entwickeln.

Dabei ist die Systematisierung der Welt in Klischees und Stereotypen an und für sich ein völlig normaler Vorgang des menschlichen Geistes, der es uns ermöglicht, Situationen und Personen in einer komplexen Welt einzuordnen. So gelingt es, in ungewohnten Situationen Sicherheit zu schöpfen. Probleme gibt es nur da, wo Rollenbilder und Klischees starr werden, statt flexibel zu bleiben und so durch reale Erfahrungen erweitert und ersetzt werden zu können: Hier entsteht Intoleranz und Einschränkungen. Dennoch brauchen wir Rollenbilder, um uns im Leben zu orientieren. Und wenn man einmal ganz ehrlich ist, dann steckt in vielen dieser Klischees auch ein wahrer Kern.

Überzogen – aber nicht immer unwahr

Auch wenn Sie keineswegs zu verallgemeinern sind, dann lässt sich doch nicht leugnen, dass in vielen Geschlechterklischees ein Funken Wahrheit steckt. Beispielsweise in Bezug auf das Kommunikationsverhalten von Mann und Frau: Das Klischee behauptet schon lange, dass Frauen mehr reden, während Männer eher redefaul sind. Tatsächlich hat die moderne Hirnforschung mittlerweile deutliche Unterschiede im jeweiligen Sprachzentrum gefunden, die das grundverschiedene Kommunikationsverhalten erklären. Damit ist die oftmals unterschiedliche Sprachfähigkeit von Mann und Frau kein Defizit, sondern vielmehr ein andere neurologische Ausstattung, die sich in der menschlichen Entwicklung als hilfreich erwiesen hat.

Andere Rollenbilder sind gesellschaftlich bedingt: Beispielsweise die Behauptung, dass Frauen für Heim und Familie zuständig sind, während Männer das Geld zu verdienen haben. Dieses Klischee hat sich aus einer lang gepflegten Rollentradition entwickelt – ist aber nach moderner Auffassung für beide Geschlechter nicht gerade erfüllend. Im Gegensatz zu Klischees, die durch tatsächliche Veranlagung entstehen, sind es genau diese nicht mehr zeitgemäßen Rollenbilder, die in der Persönlichkeitsentwicklung behindern. Das heißt aber noch lange nicht, dass Mädchen nicht mehr Rosa sein dürften, denn etwas Genderorientierung macht durchaus Sinn.

Warum Gendercodes Sinn machen

Mann und Frau Merkmale, die eine eindeutige Zuordnung zu einem bestimmten Geschlecht ermöglichen, nennt man Gendercodes. Sie begegnen uns in der Werbung, im Produktdesign, in der Kleidung und in vielen anderen Bereichen unseres alltäglichen Lebens. Das einfachste Beispiel findet man schon im Kindergarten: Mädchen sind Rosa gekleidet und spielen mit Puppen, während Jungs blau tragen und mit Autos spielen. „Diskriminierend, diese Gleichmache!“, mögen manche aufschreien. Aber tatsächlich machen diese Gendercodes sogar Sinn. Ein Leben fern von Gendercodes zu führen, nur um einengender Rollenbildung vorzubeugen, wäre nämlich letztlich eine einseitige Betrachtung der Sachlage. Denn tatsächlich erfolgt die Persönlichkeitsentwicklung eben auch aufgrund bestimmter Rollenidentifikationen: Unsere Identität, wer wir sind, als wer wir uns erleben und was uns gefällt, hängt auch von unserem jeweiligen Geschlecht ab. Unterschiede zwischen den Geschlechtern zum Beispiel durch eine bestimmte Farbgebung sichtbar zu machen, unterstützt damit die Identitätsfindung sogar, statt sie zu untergraben.

Gendercodes im Design

Da ist es kein Wunder, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern auch in der Welt des Designs stets präsent ist: Welche Produkte für Männer und welche für Frauen gedacht sind, lässt sich normalerweise schon auf den ersten Blick erkennen, selbst wenn die Funktion die selbe ist. Eine große Rolle spielen dabei Farbgebung und Formensprache: Schon minimale Unterschiede, wie beispielsweise ein leichtes Taillieren der Form, können dem Gesamtbild eine feminine Note verleihen, während klare Linien und harte Kanten eher maskuline Züge vermitteln. So wird schon in der Produktgestaltung die jeweilige Zielgruppe geschickt festgelegt. Das passende Marketing unterstützt diesen Vorgang: In der Vermarktung und in genderorientierten Werbekampagnen werden Produkte in einen Kontext gesetzt, der als „typisch“ weiblich oder männlich empfunden wird – es wird so lange mit Klischees und Rollenbildern gespielt, bis eine einfache Kategorisierung möglich wird, die das Individuelle durch Typisierung ersetzt und so eine schnelle Kaufentscheidung fördert. Damit sind Gendercodes ein nicht zu unterschätzendes Hilfsmittel für Design und das anschließende Marketing.

Falls Sie noch mehr über dieses spannende Thema erfahren möchten: Das Buch „Du Tarzan Ich Jane – Gender Codes im Design“ von Bettina Weller und Katharina Krämer, hat sich mit der Geschlechterthematik in der Designwelt beschäftigt und ermöglicht spannende und auch amüsante Einblicke in das Produktdesign für Mann und Frau.

Unterschiede leben – und die Vielfalt genießen!

Auch wenn Klischees und Rollenbilder natürlich nicht auf jeden zutreffen, bleibt doch eines festzuhalten: Mann und Frau sind unterschiedlich – zum Glück! Denn gerade die Unterschiede sind es, die diese besondere Verbindung so perfekt machen. Mit dem richtigen Hauch Toleranz und Verständnis können sich die Geschlechter eben durch ihre Andersartigkeit wunderbar ergänzen und vollenden. Denn irgendwie sind es ja gerade die kleinen Macken und Unterschiede, die die Würze ins Leben bringen: Ja, Männer dürfen sich gerne für Werkzeug und Elektronik begeistern! Und ja, Frauen dürfen Schuhe lieben! Zumindest, solange Sie es nicht müssen. Denn auch wenn Klischees oftmals zutreffen, ist das Schönste im Leben doch immer noch die Vielfalt!

Genießen Sie Ihr Leben mit all seiner Vielfalt!

 

Veröffentlicht am 16.01.2015

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