Hello, I am Erik: die visuelle Biografie eines Typomanen

Hello, I am Erik: die visuelle Biografie eines Typomanen

Mit der Publikation „Hello, I am Erik“ würdigt der Berliner Gestalten Verlag das Schaffen des prägenden Schriftgestalters und Designers Erik Spiekermann. Das Buch zeigt damit die große gesellschaftlich Relevanz von Typografie und Design auf.

Der Gestalter Erik Spiekermann gilt als einer der bekanntesten Grafikdesigner weltweit und ist Gründer von MetaDesign, FontShop und zuletzt Edenspiekermann. Er ist bekennender Typomane, indem er gesteht: „Offenbar leide ich an Typomanie – einer unheilbaren, aber nicht tödlichen Krankheit“. Durch seine Begeisterung und Hingabe hat er unter anderem in Deutschland die Optik des Alltags wie kaum ein anderer nachhaltig geprägt. Wer seine Arbeiten sehen möchte, muss dafür nur in Berlin die öffentlichen Verkehrsmittel nehmen. Man begnet der Arbeit des Gestalters sobald man auf die Fahrgast-Informationssysteme blickt oder an den gelben Bushaltestellen mit gelb-grünem Logo steht. Ebenso ist er verantwortlich für die Corporate-Design-Programme für die Autohersteller Audi und VW, hat Schriften für das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) oder die Deutsche Bahn entworfen und das Erscheinungsbild des britischen Wirtschaftsmagazins „Economist“ bestimmt.

Die von ihm entwickelte Schrift FF Meta gilt neben dem Klassiker Helvetica als erfolgreichste Schrift der 1990er und frühen 2000er Jahre – trotz der ungewöhnlichen Kreationsgeschichte. Denn sie wurde ursprünglich Mitte der 1980er Jahre für die Deutsche Bundespost entwickelt, die auf der Suche nach einem neuen Corporate Design war. Doch die neue Schrift blieb in der Schublade, denn die Bundespost setzte auf die Beibehaltung der Helvetica. Heutzutage kommt FF Meta unter anderem als Hausschrift der Mozilla Foundation, des WDR oder der Universität Heidelberg zum Einsatz. Die Schrift wurde zudem in die Architektur- und Design-Kollektion des Museum of Modern Art in New York aufgenommen.

Hello I'm Erik Deutsche Post

 

Eine umfangreiche Werkschau, die visuell überzeugt

Diese und zahlreiche weitere Beispiele sind in der visuellen Biografie „Hello, I am Erik“ versammelt, die 2014 im Verlag Gestalten veröffentlicht wurde, und die bisher umfangreichste Werkschau seines Schaffens darstellt. Inhaltlich und gestalterisch zeichnet sich Johannes Erler mit seinem Büro Factor Design verantwortlich, der ebenfalls einer der führenden Köpfe der deutschen Gestaltungsszene ist. Die überzeugende Publikation bildet Werdegang, Werk und Haltung des Typografen, Designers und Unternehmers Spiekermann mittels zahlreicher Fotografien, Dokumente, Schriftsätze, Sketche sowie Abbildungen zu seinen Arbeiten beeindruckend ab. Informative Beiträge und persönliche Statements namhafter Kollegen ergänzen das Buch, das in deutscher und englischer Sprache erhältlich ist.

In einem Interview hat Spiekermann anlässlich der Veröffentlichung des Buches verraten, dass er eine zentrale Vorgabe für die Gestaltung des Buches gemacht hat. Es sollte die Schrift „Real“ verwendet werden, die es nur in diesem Buch zu erleben gibt. Daher wird es Schriftliebhaber im Allgemeinen und Spiekermann-Fans im Besonderen umso mehr freuen, dass es mit jedem Exemplar das Regular-Schriftbild gratis dazu gibt.

Erik Spiekermann Portrait

 

Zwischen digitalen und analogen Welten im Einsatz

Drei Jahre nach dieser Werkschau wird Erik Spiekermann nicht müde, sein Leben als Gestalter weiterzuschreiben. Das belegen unter anderem ein Auftrag für den Suhrkamp-Verlag und seine digital-analoge Druckwerkstatt galerie p98a. Für Suhrkamp wurde er zusammen mit dem Designkollektiv Süpergrüp für das Projekt „Suhrkamp Letterpress“ gewonnen, wofür sechs Werke der Weltliteratur neu gestaltet, gesetzt und von digital belichteten Platten auf einer alten Buchdruckmaschine gedruckt werden. Ein aufwendiges Projekt, das Buch- und Designliebhaber gleichermaßen ansprechen dürfte. Zwar steht die Original Heidelberger Zylinder, die für dieses Buchprojekt zum Einsatz kommt, in Berlin Adlershof, doch Spiekermann selbst pflegt seine Liebe zum Buchdruck mit seiner galerie p98a. Dort hat er sechs Andruckpressen und ein nostalgisch anmutenden „Heidelberger Tiegel“ zusammengetragen, um Typografie auch im digitalen Zeitalter sinnlich erfahrbar zu machen. Dass es ihm im virtuellen Raum längst gelingt, seine Typomanie auf andere zu übertragen, zeigt sich auf Twitter: dort hat er über 323.000 Follower.

Piktogramm Flughafen

Hello I am Erik*

Veröffentlicht am 27.09.2017

Zur Übersicht
Top