Die Wege guten Designs

Was macht gutes Design aus?

Zunächst einmal die Theorie: Um die Designqualität festzustellen, müssen verschiedene Aspekte betrachtet werden. Dazu gehört der Innovationsgrad eines Produktes ebenso wie die Funktionalität oder die ökologische Verträglichkeit. Auch formale Qualität, Ergonomie, Langlebigkeit, Produktperipherie, Selbsterklärungsfähigkeit und natürlich der symbolische und emotionale Gehalt spielen für die Designqualität eine große Rolle. Diese Bewertungskriterien sind für die Meinungsfindung der Red Dot-Expertenjury maßgeblich. Dennoch bedeutet das nicht, dass ein Produkt unbedingt alle Bewertungskriterien gleichermaßen erfüllen muss. Vielmehr bilden die genannten Punkte einen Orientierungsrahmen, innerhalb dessen manche Aspekte mehr in den Vordergrund rücken und andere weniger. Wichtig ist dabei, dass der ausgewählte Weg konsequent beschritten wird, um eine herausragende Gestaltung zu schaffen. Wir möchten Ihnen hier einige der Wege zu gutem Design exemplarisch aufzeigen.

Wirklich gutes Design beschreitet neue Wege – der Innovationsgrad

In Bezug auf Design ist ein Aspekt stets gegenwärtig: Der Grad der Innovation. Dabei gibt es zunächst zwei Möglichkeiten: Entweder ist das Produkt als Ganzes eine Neuentwicklung oder es bringt eine neue, wünschenswerte Funktion oder Qualität mit sich. Auf diese Weise vermag gutes Design immer wieder zu überraschen und neue Wege zu beschreiten.

Das Boomerang Kit von XVIDA  für das iPad ist hier ein gutes Beispiel: Zwar gibt es auf dem Markt Tablet-Ständer in Hülle und Fülle, aber dennoch gelingt es dem Boomerang Kit, sich von der breiten Masse abzuheben. Denn statt nur eine Standhilfe zu sein, ist das innovative iPad-Accessoire vielmehr das Herzstück eines noch nie da gewesenen Befestigungskonzepts mit unzähligen Anwendungsmöglichkeiten, angefangen bei dem klassischen Aufsteller bis hin zur neuartigen Magnethalterung. Und das Innovationspotential des Designkonzeptes wurde gewürdigt: 2014 wurde das Boomerang Kit mit dem Red Dot ausgezeichnet.

Wirklich gutes Design macht das Leben angenehmer – die Funktionalität

Viele Designer verfolgen mit ihrem Werk vor allem einen Ansatz: Nützlichkeit und Komfort zu kombinieren, um echte Funktionalität zu schaffen. Wer diesen Weg wählt, versteht Gestaltung als Mittel, um den Nutzen eines Produktes zu verbessern – oder aber um einen nützlichen Gegenstand zu kreieren, der unser Leben vereinfacht. Dabei handelt es sich oftmals um einen angenehm lösungsorientierten Ansatz, der zunächst vorhandene Problematiken erkennt und analysiert, um dann eine möglichst einfache und praktikable Lösung dafür zu finden.

Auf Red Dot 21 finden Sie zahlreiche Beispiele, deren Macher ganz klar Funktionalität im Auge hatten. Ob kleiner Helfer gegen verkramte Schlüssel (praktisch: der Key Clip von Bobino) oder ein Garant für nicht-verhedderte Kabel (der Kabelhalter Cord Wrap von Bobino  leistet hier ganze Arbeit) – hier geht es nicht allein um beeindruckende Ästhetik, sondern um praktische Funktionalität mit ansprechender Gestaltung.

Wirklich gutes Design ist auch gut für die Natur – die ökologische Verträglichkeit

Nicht zuletzt gewinnt zunehmend ein weiterer Aspekt an Bedeutung in der Welt des Designs: die ökologische Verträglichkeit. Der Mensch ist sich zunehmend der Knappheit der Ressourcen bewusst und begreift, dass ein ressourcenschonendes Leben und Handeln gefragt ist. Und auch hier kann Design eine Vorreiterrolle übernehmen und kreatives Potential nutzen, um Wege zu finden, Produkte ressourcenschonend zu gestalten. Einer davon ist die regionale Produktion, wie bei der 2015 prämierten multifunktionalen Designleiste Schlüsselbrett. Durch diese Art der Produktion werden die Emissionen dank kurzer Wege reduziert und der heimische Arbeitsmarkt unterstützt.

Eine andere Möglichkeit baut darauf, Umweltbewusstsein beim Endnutzer zu wecken, indem umweltfreundliches Handeln komfortabler und attraktiver gemacht wird. Das Abfalltrennsystem Totem von Joseph & Joseph geht diesen Weg konsequent und macht nicht nur die tägliche Mülltrennung zum Kinderspiel, sondern bietet auch zahlreiche andere gestalterische Vorzüge, wie beispielsweise die Platzersparnis oder die Neutralisierung unangenehmer Gerüche.

Und dann gibt es da natürlich noch die Königsklasse der nachhaltigen Produkte, die eine sozialverantwortliche Produktion und besonders umweltverträgliche oder recycelte Materialien mit einer ansprechenden Gestaltung vereint. Die Can Watch von Alchemist Creations kann sich stolz zu dieser Kategorie zählen. Die einzigartige Designeruhr, die unter anderem aus den Böden von Getränkedosen gefertigt ist, wird in einer lokalen Behindertenwerkstatt produziert und schafft es so mühelos, Umweltfreundlichkeit und soziales Engagement zu verbinden und damit ein Designprodukt zu schaffen, das sich wirklich sehen lassen kann und gleichzeitig ein Statement ist.

Gutes Design ist immer im Wandel

Wie Sie sehen können, kann Designqualität durchaus auch an harten Kriterien festgemacht werden, auch wenn natürlich auch der persönliche Geschmack stets eine gewisse Rolle spielt. Statisch ist gutes Design dennoch niemals, sondern stets einem kontinuierlichen Wandel unterlegen. Denn die Ansprüche ändern sich, wie man schon an dem Beispiel ökologische Verträglichkeit sehen kann, das vor wenigen Jahrzehnten noch keine Rolle gespielt hat. Auch die technische Komponente hat in den vergangenen Jahrzehnten rasant an Einfluss gewonnen – ein Trend, der sich in den nächsten Jahren weiter fortsetzen wird. Die jährlich erscheinende Red Dot Design Yearbooks geben einen guten Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Welt des Designs. Schauen Sie doch einmal rein und lassen Sie sich von herausragendem Design faszinieren.

Wir wünschen Ihnen weiterhin viel Freude an ausgezeichnetem Design!

 

Veröffentlicht am 25.07.2015

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