Hocker „Stockholm II“ – Einladung zum Verweilen

Die großen Kunstmuseen dieser Welt sind aufgeladen mit Bedeutung. Sie bewahren das kulturelle Erbe der Menschheit, sakralisieren die ausgestellten Objekte und sind so selbst zu Kultstätten geworden, zu Orten der Kontemplation, an denen sich Besucher mit den Schöpfungen einiger der größten Meister auseinandersetzen können, um etwas über ihre Geschichte und sich selbst erfahren.

Trotzdem beträgt die durchschnittliche Verweildauer eines durchschnittlichen Museumsbesuchers vor einem durchschnittlichen Kunstwerk gerade einmal elf Sekunden. Angesichts der visuellen Flut, denen sich der Besucher im Museum ausgesetzt sieht, scheint das nachvollziehbar. Hinzu kommt, dass viele Ausstellungen zum Vorübergehen verleiten, statt zum Verweilen einzuladen. Das langsame Umhergehen, Stehenbleiben, Anschauen und konzentrierte Lesen oder Zuhören ermüdet jedoch nach einer Weile. Zwar finden sich in vielen Museen vereinzelte Bänke, doch stehen diese in der Regel in der Mitte gut frequentierter Räume vor den Werken, die sich der größten Beliebtheit erfreuen, oder die der Kurator als zentrale Exponate einer Ausstellung erachtet.

Ein Museum ist jedoch auch ein Ort der Einkehr, der Muße und der Sinnlichkeit. Viele Besucher möchten Kunst nicht nur konsumieren, sondern Zeit mit einzelnen, nach ganz individuellen Kriterien ausgewählten Werken verbringen. Sie möchten sie in aller Ruhe betrachten und sie auf sich wirken lassen. Eine solche Auseinandersetzung mit einem einzelnen Exponat ist allerdings nur dann möglich, wenn man sich auch körperlich entspannen kann und nicht von schmerzenden Gliedmaßen abgelenkt wird. Genau das bewog das Nationalmuseum in Stockholm, Schweden, vor zwanzig Jahren dazu, die Gestaltung eines mobilen Sitzmöbels in Auftrag zu geben, das dem Besucher erlauben würde, seinen Museumsbesuch selbstbestimmter zu gestalten. Das Ergebnis ist der Museumsklapphocker „Stockholm II“: Der schlichte Hocker ist zusammenklappbar, stabil, unkompliziert in der Handhabung und wiegt nur etwas mehr als 1,5 kg. Zusammengeklappt kann der Stockholm II als Stehstütze genutzt werden und lässt sich leicht von einem Bild zum nächsten tragen. Die Armlehnen dienen dabei als Griff. Auseinandergeklappt bietet er eine komfortable Sitzfläche. Durch den Verzicht auf eine Rückenlehne fördert er eine aufrechte, von Ruhe und Konzentration bestimmte kontemplative Haltung, in der sich der Besucher weit länger als elf Sekunden mit einem Werk beschäftigen kann. Heute ist der Stockholm II in mehr als tausend Museen weltweit zu finden und bietet Museumsbesuchern die Möglichkeit, ihre Haltung zu den Werken selbst zu bestimmen – denn wie man sich setzt, so sieht man.

Quelle: Every Product Tells a Story (Red Dot Edition 2014)

Veröffentlicht am 03.02.2017

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