Sergio Pininfarina (8. September 1926 – 3. Juli 2012)

Sergio Pininfarina (8. September 1926 – 3. Juli 2012)

Sergio Pininfarina wurde als Sergio Farina am 8. September 1926 als Sohn des Karosseriebauers Battista „Pinin“ Farina in Turin geboren – direkt in das Herz der italienischen Automobilwirtschaft. Denn wo sein Vater vier Jahre nach seiner Geburt die Firma „Carrozzeria Pinin Farina“ – die Vorläuferin der heutigen Pininfarina Group – gründete, ließen sich bereits Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts Autobauer wie Fiat (1899) oder Lancia (1906) nieder. Ein Meilenstein für Pinin Farina war die innovative Gestaltung des ersten Straßenautos des Sportwagenherstellers Cisitalia: der 202 Gran Sport. Die Karosserie wurde gerühmt für seine sanft geschwungene, aber kraftvolle Form und wird seit 1951 im Museum of Modern Art in New York ausgestellt.

Italienisches Automobildesign mit Stil

1950 trat Sergio Pininfarina nach einem Maschinenbaustudium in die Firma ein und agierte bereits ab 1957 als Geschäftsführer. 1961 dann unter dem heute bekannten Familien- und Firmennamen Pininfarina, nachdem Italiens früherer Staatspräsident Giovanni Gronchi per Dekret den Spitznamen „Pinin“ anerkannte und die Namensänderung erlaubte. Bis zu seinem beruflichen Rückzug 2006 machte er diesen zu einem Symbol für italienischen Stil und für einige der elegantesten Wagen der Welt. Besonders bedeutend ist dabei die Zusammenarbeit mit Ferrari, die seit 1951 besteht und aus der mehr als 80 Modelle hervorgegangen sind. Die Kooperation führte zu maßgebenden Produktionen wie den Ferrari Dino 246 (1969) oder den Ferrari Testarossa (1984). Darüber hinaus war dieser für die Bekanntheit des Firmenamens bedeutend und ist ein ideales Beispiel für ein erfolgreiches Co-Branding von Hersteller und Designer. Denn bis heute wird auf jedem von Pininfarina gestalteten Ferrari das Logo des Designbüros angebracht. Bereits damals hat es keine Rolle gespielt, ob der Meister noch selbst Hand angelegt hat. Denn von Anfang an führten Vater oder Sohn selten einen Gestaltungsprozess alleine aus, sondern beschäftigten zahlreiche junge Designer: sie gaben Linien und Ideen vor und kontrollierten daraufhin den Kreativprozess.

Neben Ferrari wurden zahlreiche Projekte mit anderen Autobauern realisiert. Denn „es waren nicht nur sündhaft teure Sportwagen, die Pininfarina auf den Weg brachte. Auch Großserienfahrzeugen von Peugeot oder Mitsubishi verlieh er einen ganz eigenen Charakter“, resümiert Michael Kröger für Spiegel Online. Dazu gehört beispielweise der Peugeot 403, 404 und 504.

Spitzenklasse im Design durch Innovationen und Forschung

Automobildesign zählt zu Königsdisziplinen des Industriedesigns, da die Verbindung von Technik und Ästhetik eine besondere Faszination ausübt. Pininfarina führt beides zu einem Standard setzenden Niveau zusammen. Für die stilvollen Silhouetten der Karosserien erkannte er früh die Relevanz der Aerodynamik und baute 1972 den ersten Windkanal in Italien. Auch Überlegungen zum Stadtverkehr und umweltfreundlichen Automobilen kamen zum Ausdruck wie in der Studie „Ethos“ (1992). Mit dem Metrocube von 1999 lieferte der Italiener bereits ein Konzept für ein Stadtauto mit Hybridantrieb. Damals seiner Zeit weit voraus.

Großer Einfluss auf die Popkultur

Trotz gewinnträchtiger Aufträge für Schienenfahrzeuge oder Massenprodukte wie Kaffeemaschinen für Lavazza, Möbel für Poltrona oder ganze Küchen bleibt der Name Pininfarina ein Symbol für italienisches Autodesign, das nicht nur Fahrer oder Autoliebhaber ein Begriff ist, sondern jedem Leihen sofort ins Auge fällt. Dazu beigetragen hat die Popularität einiger Modelle in der Popkultur. Angefangen bei dem Alfa Romeo Spider, den Dustin Hoffman 1967 in „Die Reifeprüfung“ fährt, einer der bekanntesten Filme seiner Zeit. Ebenso in Erinnerung geblieben ist der weißen Ferrari Testarossa aus der Kult-TV-Serie „Miami Vice“ oder der Ferrari 250 GT Spyder California aus dem Film „Ferris macht blau“ von 1986.

Intelligentes Automobildesign, das Experten überzeugt

Die Faszination für diese Modelle liegt in dem einzigartigen Zusammenspiel von „Eleganz, Zurückhaltung, Intelligenz, getragen und inspiriert von Technik, aber geformt von künstlerischem Empfinden“, wie Wolfang Peters in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erkennt. Thomas Fromm betont in der Süddeutschen Zeitung: „nicht nur PS-stark und laut, sondern auch schön“. Diese Schönheit sieht er in den fließenden Übergängen, den dezent angedeuteten Muskeln und in der Eleganz dieser Wagen. Herausragendes Design, das auch im Red Dot Design Award gehrt wurde. 2004 wurde das Pininfarina Design Team mit dem Ehrentitel „Red Dot: Design Team of the Year“ ausgezeichnet.

Pininfarina als Ausdruck einer Ära

Bis heute trägt das Unternehmen zu Innovation in Konstruktion und Design von Automobilen bei. Jedoch klangen die Nachrufe zum Tod von Sergio Pininfarinas am 3. Juli 2012 wie ein Abgesang auf eine ganze Ära. Denn die von ihm geprägte Designsprache wird unisono mit einer Zeit verbunden, in der von Automobilen abseits von Marktanalysen und Kritik am Verbrennungsmotor eine romantische Aura ausging. Versinnbildlicht wird diese Haltung mit der Person des Designers selbst, der überall mit Anzug und Krawatte auftrat – ob in der Firma oder später als Mitglied des Europäischen Parlaments (1979 – 1988) sowie als Präsident der Confindustria, der größten Arbeitgeberorganisation Italiens (1988 – 1992). „Er war Stilist, Designer, Unternehmer, Italiener und ein Herr“, fasst es Wolfgang Peters in der FAZ treffend zusammen.

Veröffentlicht am 03.07.2017

Zur Übersicht
Top