Interview mit Ikuo Maeda

Interview mit Ikuo Maeda

Wir haben uns mit dem Mazda-Chefdesigner Ikuo Maeda über das neue Design beim KAI Concept und Vision Coupé unterhalten, um zu erfahren, welche Neuerungen das KODO Design 2.0 hervorbringt.

Red Dot 21 (1): Bitte beschreiben Sie uns die Formensprache des neuen KODO Designs mit wenigen Worten.

Ikuo Maeda: Bei der nächsten Phase des KODO Designs geht es um ein eleganteres und erstklassiges Erscheinungsbild, wobei Dynamik und Vitalität bewahrt bleiben sollen, wofür die Konstruktionsphilosophie ja bekannt ist. Durch die Gestaltung einer Eleganz, die die fundamentalen Werte japanischer Ästhetik verkörpert, beabsichtigen wir, eine Ausdrucksform zu etablieren, die für die Marke Mazda einzigartig ist.

Red Dot 21 (2): Was ist der Unterschied zu dem ersten Konzept des KODO Designs? Bitte beschreiben Sie uns die Unterschiede.

Ikuo Maeda: Bisher haben wir die Vitalität dadurch erzielt, indem wir die Dynamik lebender Tiere auf den Rahmen abgestimmt eingefangen und sie direkt auf die physische Form unserer Fahrzeuge übertragen haben. Die nächste Phase zielt durch das Schaffen eines ständig wechselnden Zusammenspiels von Licht und Schatten auf eine natürlichere Vitalität, die mit sich veränderndem Blickwinkel sanft über die Karosserie gleitet.

Red Dot 21 (3):  Was war Ihre Inspiration für das neue KODO Design beim Mazda Vision Coupé?

Ikuo Maeda: Das Vision Coupé stellt einen Ausdruck japanischer Ästhetik in der Gestalt eines Fahrzeugs dar. Ein Großteil der traditionellen japanischen Kultur beruht auf dem minimalistischen Konzept “weniger ist mehr”; d.h., weniger wichtige Elemente werden weggelassen, um viel leeren Raum entstehen zu lassen. Gleichermaßen verzichtet das Äußere des Vision Coupés auf charakteristische Linien und ähnliche Anordnungen und übernimmt eher eine extrem einfache dreidimensionale Form. Licht und Schatten werden in den “leeren” Räumen an den Seiten der Karosserie reflektiert und gehen sanft in die Bewegungen des Fahrzeuges über, wodurch dieses natürliche Gefühl von Dynamik und Vitalität erzeugt wird. Im Fahrzeuginneren haben wir das Konzept ma (wörtlich “Platz, Raum”) aus der traditionellen japanischen Architektur zur Geltung gebracht. Damit soll eine Abgrenzung von Teilen des Raumes vermieden und eine Verbindung mit der Außenwelt hergestellt werden. Beim Vision Coupé wird das mit strukturellen Formen erreicht – eine Zentralkonsole, ein Armaturenbrett, Türverkleidung usw., die alle zusammenlaufen ohne sich zu berühren. Die Räume fördern die Luftströmung und helfen einen Innenraum zu schaffen, der die Insassen zwar umgibt, sie aber nicht einengt.

Ikuo Maeda Rede

Mazda blickt auf eine lange Geschichte der Herstellung von Autos mit ausgezeichneten Proportionen zurück, wie das Coupé R360 und das Coupé Luce Rotary. In einem Zeitalter, in dem es vor allem um Effizienz ging, kam es bei diesen Modellen auf Schönheit an und ihr Stil wurde zum Ausgangspunkt der heutigen „Eleganz von Mazda”. Das Vision Coupé ist in diesem Stil verankert, verkörpert aber eine einzigartige japanische Schönheit als Ausdruck einer neuen Art von Eleganz.

Red Dot 21 (4): Was sind die Inhalte des neuen KAI Concepts?  Bitte geben Sie uns ein paar konkrete Beispiele.

Ikuo Maeda: Das Ziel bestand darin, diese reifere Neuauflage des KODO in einer kleineren Form unterzubringen und eine Faszination entstehen zu lassen, die instinktiv anspricht.

  1. Proportionen, die eine kompakte Darstellung von Kraft und Schönheit verwirklichen, wodurch alles nach innen gezogen wird.
  2. Ein neues Styling, das auf die Präsentation von Karosserie und Fahrzeuginnenraum als eine einzelne feste Masse gerichtet ist, wodurch die charakteristische Gediegenheit und das Vorhandensein eines Fließhecks zusammen mit einer unglaublich starken Haltung betont werden.
  3. Die Konstruktion der Karosserie verzichtet auf charakteristische Linien und übernimmt stattdessen stark betonte Oberflächen mit ständig wechselnden Reflektionen, die der Karosserie einen lebendigen, emotionalen Ausdruck verleihen.
  4. Die Vorderansicht entwickelt die dreidimensionale Tiefe weiter und betont die deutlich ausgeprägten Merkmale, die für das Design des KODO charakteristisch sind. Das geflügelte Schriftzeichen vereint sich mit dem satten Glanz des dunklen metallenen Kühlergrills, um den reifen, sportlichen und zum Fließheck passenden Charakter des Fahrzeuges zu betonen.

Red Dot 21 (5): Welches waren die größten Herausforderungen bei der Umsetzung des KAI Concepts?

Ikuo Maeda: Die Frage war, wie die Form so einfach wie möglich gehalten und doch eine lebendige Erscheinungsform mit echter Tiefe erzielt werden konnte. Mit dem Verzicht auf scharfe charakteristische Linien war es besonders schwierig, Dynamik und Vitalität nur durch die Reflektion von Licht zu erreichen. Eine andere große Herausforderung bestand darin, eine Form zu schaffen, die die Karosserie und den Fahrzeuginnenraum als eine einzige feste Masse präsentiert.

Red Dot 21 (6): Als ein Bestandteil des KAI Concepts wurde ein neuer Verbrennungsprozess, der sogenannte “Spark Controlled Compression Ignition”, kurz SPCCI, auf der Tokyo Motor Show 2017 vorgestellt. Bitte beschreiben Sie uns, was das Neue und Besondere an diesem Prozess ist.

Ikuo Maeda: Die firmeneigene Verbrennungstechnik von Mazda, die Spark-Controlled Compression Ignition (SPCCI), hat den Weg für den ersten kommerziellen Benzinmotor der Welt freigemacht, der eine Kompressionszündung nutzt. Er nutzt nämlich einen Zündfunken, damit ein sich expandierender Feuerball entsteht, wenn das Luft-Brennstoff-Gemisch unter höchstem Druck steht. Dieser Feuerball wirkt wie ein zweiter Kolben und erhöht den Druck im Zylinder weiter, bis das ganze Gemisch auf einmal verbrennt (Kompressionszündung). Die SPCCI ermöglicht den nahtlosen Übergang zwischen Kompressions- und Funkenzündung und löst damit das langanhaltende Problem, eine Kompressionszündung unter einer Vielzahl von Bedingungen zu ermöglichen. Dank der SPCCI verbinden sich in Mazdas neuem SKYACTIV-X die hochtourige Eigenschaft eines Benzinmotors mit der ausgezeichneten Wirtschaftlichkeit eines Diesels beim Treibstoffverbrauch sowie mit dessen Drehmoment und Reaktionsschnelligkeit.

Der SKYACTIV-X bringt ein um 10-30 Prozent höheres Drehmoment als der jetzige SKYACTIV-G. Darüber hinaus ermöglicht die Kompressionszündung eine Verbrennung im Magerbereich, wodurch sich der Wirkungsgrad des Motors gegenüber dem jetzigen SKYACTIV-G um 20 bis 30 Prozent erhöht. Und da der Motor über einen weiten Drehzahlbereich und Motorlasten hocheffizient ist, ermöglicht er einen größeren Spielraum in der Wahl des Übersetzungsverhältnisses beim Getriebe. Bisher mussten Sie sich im Wesentlichen zwischen Wirtschaftlichkeit beim Treibstoff und Leistung entscheiden, jetzt bringt der SKYACTIV-X ein hohes Niveau bei beidem.

Ikuo Maeda Mazda SKYACTIV-X

Red Dot 21 (7): Alle Aktivitäten von Mazda stehen im Einklang mit der Nachhaltigkeitsstrategie „Sustainable Zoom-Zoom 2030″. Welche Rolle spielt die Nachhaltigkeit für Sie? Nennen Sie uns ein paar Beispiele.

Ikuo Maeda: Als Designer ist es mein Ziel, Schönheit zu schaffen, die universell und von aktuellen Trends unbeeinträchtigt ist. Hinsichtlich des Äußeren heißt das, Proportionen zu schaffen, die sich für ein Gebilde richtig anfühlen, das zur Fortbewegung gedacht ist, so dass sich das Auto natürlich in seine Umgebung einordnet. Ich möchte eine Silhouette erstellen, die Karosserie und Räder als eines erscheinen lässt, wie die Beine eines athletischen Tieres. Und hinsichtlich der Form möchte ich alles vermeiden, was künstlich oder unnatürlich aussieht; ich möchte eine Art Qualität erschaffen, wo das Auto natürlich als ein Element funktioniert, das die unmittelbare Umwelt noch schöner macht. Im Inneren möchte ich einen Raum schaffen, der die Menschen sich mit dem Auto eins fühlen lässt, und einen Cockpit, der wirkliches Vergnügen am Fahren mit sich bringt und die natürlichen Fähigkeiten und Fertigkeiten der Menschen aktiviert.

Red Dot 21 (8): Wenn Sie auf die Tokyo Motor Show 2017 zurückblicken, welches waren Ihre persönlichen Höhepunkte im Bereich Automobildesign neben Ihrem neuen Mazda Konzept, welche Sie überzeugen konnten?

Ikuo Maeda: Der BMW 8 Concept.

Red Dot 21 (9): Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran? D. h., womit beginnen Sie, wenn Sie ein neuer Auftrag erreicht hat?

Ikuo Maeda: Das Erste ist zu bestimmen, welchen neuen Wert dieses Auto der Marke Mazda bringt. Wir müssen die Bedeutung jedes neuen Autos sorgfältig abwägen und dann entscheiden, wie es innerhalb des Markenportfolios positioniert wird. Dann müssen wir klarstellen, wie es sich zu unserer neuen Designvision verhält, ehe wir anfangen, über entsprechende Ausdrucksmittel nachzudenken, mit denen wir arbeiten wollen.

Red Dot 21 (10): Wenn Sie zurückblicken, welches Automobildesign hat für Sie bislang die größte Herausforderung dargestellt?

Ikuo Maeda: Das Vision Coupé und der RX-Vision: Bei diesen Autos habe ich versucht, eine neue Designsprache einzubringen, während wir der Philosophie des KODO treu bleiben. Und der MX-5 der vierten Generation: Der MX-5 hat eine einzigartige Vergangenheit und eine Riesenanzahl Fans auf der ganzen Welt. Etwas zu schaffen, das die Erwartungen dieser Fans noch übertrifft, das die ersten drei Generationen des Modells nicht einfach negiert und das frisch aussieht, aber immer noch als Teil der Designfamilie von KODO wahrgenommen wird, das war eine gewaltige Herausforderung.

Veröffentlicht am 09.01.2018

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