Interview mit Francesco Rota über das Sofa Uptown

Interview mit Francesco Rota über das Sofa Uptown

Diese Werte sind die Basis und ein integraler Bestandteil der Arbeit von dem bekannten Interieur- und Produktdesigner Francesco Rota.

„Einfachheit, Gleichgewicht, Tradition und Funktionalität sind meine Werte, wenn ich ein Produkt gestalte.“

Im Jahr 1998 eröffnete Francesco Rota sein Designstudio in Mailand. Die Zusammenarbeit mit Unternehmen aus den unterschiedlichsten Branchen liegen in seiner Interessenvielfalt begründet, der er letztlich seinen Erfolg zu verdanken hat.

 

Italienisches Design auf Erfolgskurs

Seit 2013 arbeitet Francesco Rota als Kreativdirektor von Lapalma. Im Jahr 2014 gestaltete er das modulare Sitzmöbelsystem ADD, das sich für den Loungebereich oder Wartebereich eignet. Das Besondere an diesem Möbelsystem: Die Sitzflächen und Rückenlehnen mit ihrer quadratischen Grundform lassen sich wie in einem Mosaik in unzähligen Varianten kombinieren und dadurch an die Architektur eines jeden Raumes anpassen. Für diese hervorragende Gestaltungsleistung erhielt Francesco Rota eine Honourable Mention beim Compasso D’Oro (italienischer Industriedesignpreis) und einen Red Dot: Best of the Best im Jahr 2016 im Rahmen des Red Dot Design Awards. Parallel wurde er für den Tisch Kanji mit einem Red Dot ausgezeichnet, den er im Auftrag für Paola Lento SRL entworfen hatte.

Doch aus der Feder des italienischen Designers stammen nicht nur Möbel, sondern auch Designprodukte für die Bereiche Licht und Leuchten, Showrooms, Büros, Wohnhäuser und Events. Die Gestaltung schlägt sich stets in klaren Formen nieder, die elegant und zeitlos anmuten. Zahlreiche renommierte Unternehmen, wie L’Oreal Paris, Mercedes Benz, Alchemy oder Martini & Rossi schätzen seine Arbeit wegen seines besonderen Gespürs für Komposition, Farbe und Funktionalität.

Tisch Kanjii

 

Organisch fließende Linien: Sofa Uptown

Bei dem diesjährigen Red Dot Award: Product Design hat es erneut ein Produkt von Francesco Rota auf die Siegerleiter geschafft. Mit dem modularen Konzept des Sofas Uptown konnte er die Experten überzeugen. Die hohe Funktionalität, die raffinierten Details und der Polsterbezug aus hochwertigem Stoff waren neben den organisch fließenden Linien, die zu einer zeitlosen Eleganz verhelfen, ausschlaggebend für das positive Urteil der Jury. Durch die weiche und einladende Form kann das Sofa Uptown in vielen unterschiedlichen Bereichen zum Einsatz kommen – egal, ob für den Wohn- oder Objektbereich – und völlig unabhängig von der Raumgröße. Die einzelnen Module können nicht nur nach Belieben zusammen verbunden und angeordnet werden, sondern können auch für sich alleine stehen. Die Übergänge sind fließend gestaltet, es gibt keine klaren Abgrenzungen von Vorder- und Rückseite, Sitzfläche und Lehne. Das Sofa strukturiert nicht nur den Raum und fordert zur Kreativität auf, sondern es schafft auch Ruhezonen, je nach Belieben.

Wir haben uns mit Francesco Rota über das Sofa Uptown und die kreativen Prozesse seiner Arbeit unterhalten. Lesen Sie selbst!

Francesco Rota Sofa Uptown Francesco Rota Sofa Uptown

 

Interview mit Francesco Rota

 

Red Dot 21 (1): Was war die Inspiration für das Design des Sofas Uptown?

Francesco Rota: Bei der Gestaltung von Uptown ging es darum ein Sofa zu entwickeln, das in vielen verschiedenen Umgebungen zum Einsatz kommen konnte, dass mit einer einfachen Geste Wärme ausstrahlen würde. Ich wollte ein ikonisches Stück mit architektonischen Proportionen schaffen, die es eher als eine Skulptur im Raum als ein Möbelstück erscheinen lassen. Das Konzept beruht auf den perfekten Formen, die in der Natur zu finden sind; insbesondere auf Wassersteinen, die von den Elementen mit der Zeit zu perfekten Ovalen geformt werden. Unser Ziel war es, diese besondere Ruhe und das natürliche Gleichgewicht in einem zeitlosen Stück zu verkörpern, das sofort Gemütlichkeit ausstrahlt.

Red Dot 21 (2): Wie war der Entwicklungsprozess für das neue Design des „Sofa Uptown“? Bitte geben Sie uns einige konkrete Beispiele.

Francesco Rota: Die Herausforderung bei dem Uptown Projekt war es, die Sitzflächen und Rückenlehnen in einer einzigartigen architektonischen Form zu vereinen. Die einzelnen Module wurden eigens geschaffen, um für unterschiedliche Anordnungen genügend Flexibilität zu bieten. Nachdem wir die Strategie entwickelt hatten und das Konzept in ein 3D Modell umgewandelt worden war, ging es an das Herstellen von Prototypen und das Testen bestimmter Designeigenschaften wie z. B. der Modularität, Ergonomie und dem Sitzkomfort in nachgestellten Situationen. Die technische Dokumentation wurde erst in unserem Studio entwickelt und dann mit der technischen Unterstützung der Ingenieure von Paola Lenti produziert. Am Ende haben wir unser Augenmerk auf die Details gerichtet und Elemente definiert wie die Position der Nähte, welche die Linienführung des Produktes ästhetisch betonen und es ermöglichen, die Polster zur Reinigung zu entfernen.

Red Dot 21 (3): Wie gehen Sie ein neues Projekt an? Mit anderen Worten: wie fangen Sie an, wenn Sie einen neuen Auftrag erhalten?

Francesco Rota: Meine Einstellung ist eigentlich meist die gleiche – meine Designs zielen alle darauf ab, ein bestimmtes Bedürfnis im Markt zu befriedigen oder sind eine Antwort auf ein bestimmtes soziales Verhalten. Gleichzeitig versuche ich auch immer großen Komfort und ein ansprechendes Erscheinungsbild zu schaffen.Nichtsdestotrotz ist jede Reaktion auf ein neues Projekt einzigartig. Wenn meine Kunden ein neues Design anfordern, vertrauen sie auf mein Geschick, ihre Markenphilosophie und -werte zu verstehen und sie als die Grundlage zu verwenden, auf der das Konzept aufbaut. Daher beginnt jedes neue Projekt mit der intensiven Analyse von Ideen, Techniken, Oberflächenbehandlungen, usw.

Red Dot 21 (4): Welches sind Ihrer Meinung nach die drei wichtigsten Dinge, die ein Raum braucht?

Francesco Rota: Ein weiches Stück, das Komfort bietet – wie z.B. ein nettes Sofa, das zu bestimmten Momenten den Platz für soziale Begegnungen bietet, in anderen aber auch einen Platz zum Zurückziehen schafft; genügend Beleuchtung – der Charakter eines Raums wird sehr von der Beleuchtung beeinflusst; und zuletzt wahrscheinlich ein gutes Paar Lautsprecher, um Musik zu hören.5. Auf welche Ihrer liebsten Trends, Farben und Stoffe aus der Innenarchitektur freuen Sie sich im Jahr 2018?Um ehrlich zu sein, versuche ich Trends zu meiden. Meistens basieren meine Gestaltungsvorschläge auf Oberflächen und Farben und ich vertraue eher meiner Intuition als aktuellen Modeentwicklungen.Leider setzen viele Unternehmen auf modische Farbtöne und Stoffe, die oft zu iterativen Designs führen. Daher bleibt dann häufig der Überraschungseffekt aus. Tatsächlich freue ich mich 2018 wahrscheinlich auf mehr Abwechslung und Phantasie.

Red Dot 21 (5): Auf welche Ihrer liebsten Trends, Farben und Stoffe aus der Innenarchitektur freuen Sie sich im Jahr 2018?

Francesco Rota: Um ehrlich zu sein, versuche ich Trends zu meiden. Meistens basieren meine Gestaltungsvorschläge auf Oberflächen und Farben und ich vertraue eher meiner Intuition als aktuellen Modeentwicklungen. Leider setzen viele Unternehmen auf modische Farbtöne und Stoffe, die oft zu iterativen Designs führen. Daher bleibt dann häufig der Überraschungseffekt aus. Tatsächlich freue ich mich 2018 wahrscheinlich auf mehr Abwechslung und Phantasie.

Red Dot 21 (6): Welches sind für einen kreativen Kopf wie Sie die größten Herausforderungen im Alltag?

Francesco Rota: Ich finde es schwer, Arbeit und Freizeit auseinanderzuhalten. Ich finde im Urlaub und auf Reisen Inspiration für meine neuen Projekte, wenn ich Sachen sehe und fotografiere. Mich inspirieren Menschen, denen ich begegne, und auch neue Erfahrungen. Auf der anderen Seite ist Gestaltung für mich eine Freizeitbeschäftigung. Es ist also schwer zu sagen, wo sich die Grenze befindet. Für mich sind Arbeit und Freizeit das Gleiche. Ich bin ständig auf Trab.

Red Dot 21 (7): Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit für Sie? Bitte nennen Sie uns konkrete Beispiele.

Francesco Rota: Für mich bedeutet Nachhaltigkeit das Schaffen von hochwertigen Designs, die langlebig sind. Um das zu erzielen, suche ich vermehrt nach Synergie zwischen dem Design und der industriellen Produktion, um auf diese Weise haltbare Produkte zu liefern, die billiger und einfacher herzustellen sind. In der Zeit, in der wir leben, glaube ich, dass zeitlos und langlebig die richtigen Zielrichtungen sind.

Red Dot 21 (8): Bitte nennen Sie einen Designer, der Ihrer Meinung nach die Welt verändert hat.

Francesco Rota: Ich glaube nicht wirklich an Designhelden. Es gibt eine ganze Reihe bemerkenswerter Fachleute in unserer Branche, die sie geprägt und zur allgemeinen Entwicklung von Design beigetragen haben, indem sie innovative Lösungen vorgeschlagen haben. Allerdings ist es das kollektive Bemühen, welches wirkliche Veränderungen im sozialen Verhalten bewirkt hat. Denken Sie z.B. an Sony. Durch die Einführung des Walkmans in den 80er Jahren, hat Sony die Art in der wir Musik erleben vollkommen verändert. Sie haben unserem Leben einen Soundtrack gegeben. Die umfassende Kenntnis des Marktes, die wirksame Arbeitsteilung und der starke Designansatz haben es alle zusammen dem Unternehmen erlaubt, erfolgreich zu sein.

Red Dot 21 (9): Welches ist Ihr liebstes Museum?

Francesco Rota: Ich besuche sehr gerne die Villa Necchi. Es ist ein Meisterstück der italienischen Architektur der dreißiger Jahre, versteckt mitten im Stadtzentrum von Mailand. Die Inneneinrichtung und die Gärten sind spektakulär, angefüllt mit Kunstgegenständen, Bildern und zeitgenössischen Möbeln. Ein Besuch lohnt sich absolut!

Red Dot 21 (10): Welche Ihrer Lieblingsveranstaltungen im Jahr würden Sie auf keinen Fall versäumen wollen?

Francesco Rota: Ein Ereignis, dass ich nie versäume, ist natürlich der Salone del Mobile, einer der wichtigsten Designveranstaltungen des Jahres. Abgesehen von den letzten Design-Errungenschaften, die in der Woche in der gesamten Stadt von Mailand zur Schau gestellt werden, betrachte ich die Design Woche auch als ein gesellschaftliches Ereignis. Die Gelegenheit sich mit Kollegen austauschen zu können, die Eindrücke, die man von Besuchern aus verschiedenen Ländern bekommt und die Zusammenarbeit mit der Presse liefern mir alle wertvolles Feedback und dienen als Inspiration.

Red Dot 21 (11): Wo machen Sie gerne Urlaub?

Francesco Rota: Meine große Leidenschaft ist das Meer. Ich gehe liebend gerne Windsurfen und Segeln. Ich bin gerne in Ligurien am Meer, wo ich auch einen Großteil meiner Kindheit zugebracht habe. Es ist mein kleines Wochenendziel.Ich reise aber auch sonst gerne. Ich bin eigentlich häufig im Ausland. Ich habe viel Zeit in Japan verbracht. Es ist ein Land und eine Kultur, die ich zutiefst respektiere. Mit jeder Reise bringe ich neue Eindrücke und Ideen mit nach Hause, die später in meiner Arbeit zu finden sind.

Red Dot 21: Vielen Dank Herr Rota, dass Sie sich die Zeit für uns genommen haben.

Im Übrigen finden Sie die persönlichen Tipps von Francesco Rota für einen Besuch von Mailand in unserem Beitrag Mailand, Italien – Designer Hotspots und auch in der Red Dot Design App.

Veröffentlicht am 25.09.2017

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