Charles & Ray Eames: Das Lebenswerk der Designlegenden

Charles & Ray Eames: Das Lebenswerk der Designlegenden

Charles & Ray Eames haben mit ihrem unverwechselbaren Stil und zeitlosem Design eine Epoche nachhaltig geprägt und ein Kapitel Designgeschichte geschrieben. Die innovativen wie zweckmäßigen Möbelkreationen des Designerpaars üben bis heute eine große Anziehungskraft auf Designliebhaber aus. Mit ihrer universellen Begabung liebten sie es zu experimentieren. Sie realisierten neben Möbeln, die gerade im 21. Jahrhundert ein Revival erfahren, auch Spielzeug, Filme und Ausstellungen sowie Gebäude und gelten bis heute als Pioniere, die nicht nur unzählige ikonische Designs geprägt haben, sondern eine Philosophie, deren verspielte Nüchternheit zu ihrem Markenzeichen wurde.

 

Das Leitbild von Charles & Ray Eames

Das Ziel von Charles & Ray Eames revolutionierte die Designwelt: Sie machten es sich zur Aufgabe „das Beste für so viele wie möglich zu einem möglichst günstigen Preis“ herzustellen. Dabei versuchten sie stets die menschlichen Aspekte in den Vordergrund zu stellen und prägten das Verständnis von der selbstlosen Rolle des Designers. Dieser wesentliche Aspekt, der sich in ihren Entwürfen wiederfand, machte ihre Arbeit auch kulturübergreifend beliebt und angesehen. Ihre Bescheidenheit und selbstlose Darstellung formte letztlich widersprüchlicherweise ihre Einzigartigkeit, die bis heute andere Designer zu schätzen wissen. Charles & Ray Eames ließen sich bei ihrer kreativen Arbeit stets von ihrer tiefen persönlichen Bindung, ihrer Empathie und davon leiten, wie es ihnen selbst am sinnvollsten erschien. Das Kennen ihrer eigenen Bedürfnisse, aber auch die Dinge mit einem gewissen Abstand zu betrachten, gehörten zum Eames’schen Designprozess, um zum Kern eines Problems vorzudringen. Ihr Leitgedanke war es ein Produkt zu entwickeln, das viele Kunden gleichzeitig erfreuen könnte, „als wäre es eine Sonderanfertigung für jeden Einzelnen entworfen“.

 

Eames-Designklassiker: Paravent, Spielzeug, Stühle

1939 realisierte Charles Eames gemeinsam mit Eero Saarinen den Kleinhans-Stuhl für die „Kleinhans Music Hall“ in Buffalo, der den Grundstein für die Arbeit des Designerduos Eames legte. Fortan experimentierte er mit geformtem Schichtholz, um die Sitzschale eines Stuhls aus einem Stück zu formen. In dieser Zeit lernten Charles & Ray sich kennen. Sie suchten fortan gemeinsam nach einer Lösung, um das Werkzeug für ihre Ideen selber herzustellen und entwarfen eine elektrische Maschine, namens „Kazam!“, zur Formung von Schichtholz. Der Zweite Weltkrieg unterbrach jedoch ihr Vorhaben und gipfelte in einem völlig unerwarteten Erfolg – in der Serienproduktion einer hölzernen Beinschiene. Zur Herstellung gründete Charles 1942 die erste eigene Firma namens Plyformed Wood Company. Circa ein Jahr später richteten Charles & Ray ihr eigenes Designstudio ein – das Eames Office am 901 Washington Boulevard (Los Angeles) – und konzentrierten sich auf die Entwürfe von Möbeln. In dieser Zeit entstanden neben Stühlen, ein Pavarent und der berühmte Spielzeugelefant, Produkte, die einige Jahre später, 1946, im MoMA ausgestellt wurden. Daraufhin begann die legendäre Zusammenarbeit mit George Nelson, dem damaligen Designdirektor der amerikanischen Hermann Milller Company, der gemeinsam mit den Eames die Geschichte des Designs im 20. Jahrhunderts nachhaltig prägte. Hermann Miller ist bis heute autorisierter Hersteller der Eames-Klassiker.

1948 veranstaltete das MoMA in New York einen Designwettbewerb, bei dem Charles & Ray teilnahmen, um ihr Möbelstück „La Chaise“ zu präsentieren. „La Chaise“ ist eine weiße muschelförmige Sitzschale mit einer hinteren Öffnung, die auf einer Unterkonstruktion aus Holz und Metall steht. Wieder entsteht der Wunsch, die Sitzschale aus nur einem Stück fertigen zu können. Hierfür experimentieren Charles & Ray anschließend mit Fieberglas und schaffen es den preisgekrönten Entwurf bis zur Ausstellung, die erst knapp zwei Jahre später geplant war, zu realisieren. La Chaise“ blieb ein Prototyp, der erst seit 1990 von Vitra aus Polyurethan hergestellt und bis heute als beliebtes Sammlerobjekt verkauft wird. Nach dem Erfolg des skulpturalen Stuhls produzieren Charles & Ray Eames eine Reihe von Stühlen – die „Plastic Chairs“ – mit verschiedenen Unterkonstruktionen, die bis heute zu den prägnantesten Designerstücken zählen und die wie der Eames Plastic Armchair DAR oder der Eames Plastic Side Chair DSW heute ebenfalls von Vitra vertrieben werden.

 

Das Eames Haus – Case Study Nr. 8

Die Geschichte begann mit dem berühmten Akronym „CSH“, dessen Buchstaben für das inzwischen legendäre Programm der „Case Study Houses“ stehen. Damaliger Initiator war John Etenza, der die Öffentlichkeit für architektonische Werte sensibilisieren wollte und ein gewagtes Projekt ausschrieb. Es sollten acht Häuser entworfen werden, keine Luxusvillen, sondern erschwinglicher Wohnraum. Charles Eames folgte dem Aufruf und entwickelte gemeinsam mit Eero Saarinen 1945 den ersten Entwurf, der von der späteren Bauweise abwich, die sich mehr in die Natur integrierte als zunächst geplant. Das Haus fand hinter einer Reihe von Eukalyptusbäumen seinen endgültigen Platz und wurde von Charles & Ray Eames im Jahr 1949 selbst bezogen, bis ans Ende ihres Lebens.

Heute beherbergt das Haus im Pacific-Palisades-Viertel von Los Angeles die Eames-Stiftung, die die Hinterlassenschaft von Charles & Ray Eames verwaltet. Das Gebäude besteht aus zwei voneinander getrennten Bereichen, wobei der größere zum Leben gedacht ist und der kleinere zum Arbeiten. Das Haus mit rechteckigem Grundriss besteht ausschließlich aus vorfabrizierten Bauteilen und trägt in den gewählten Farben und Texturen die Signatur der Eames. Es fungierte als Rückzugsort zu dem sonst erfüllten beruflichen Leben des Designerduos und zählt bis heute als eines der berühmtesten Bauwerke, die zur Ikone der Architektur des 20. Jahrhunderts geworden sind.

Charles & Ray Eames*

Autorin des reich bebilderten Bands „Chales & Ray Eames – Das Lebenswerk der Designlegenden“, der im Knesebeck Verlag erschienen ist, ist die Architektin und Journalistin Maryse Quinton, die regelmäßig für Architektur- und Interieur-Magazine schreibt. Das umfangreiche Archivmaterial stammt vom Eames Office und den Herstellern Vitra sowie Hermann Miller, die anhand jüngerer Beispiele der Möbelkreationen, die ungeheure innovative Schaffenskraft des Paares zeigen. Angereichert von zahlreichen Interviews mit Designern, Architekten und Kunsthistorikern, darunter Philippe Starck, Vitra CEO Rolf Fehlbaum oder die deutschen Architekten Nils Holger Moormann und Stefan Diez, wird das kreative Erbe von Charles & Ray Eames bewertet, das bis heute viele Kreativschaffende beeinflusst.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen!

Veröffentlicht am 03.07.2018

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