Reload! Tracht, Kunst, Mode

Reload! Tracht, Kunst, Mode

Die Ausstellung „Reload! Tracht, Kunst, Mode“ im Museum Kunst der Westküste fokussiert die Tracht als historisches und zeitgenössisches Kleidungsstück. Denn, so die Ausstellungsmacher, genießt die Tracht heutzutage auch abseits populärer Volksfeste wieder an Popularität und beeinflusst Kunst und Modedesign gleichermaßen. Die interdisziplinäre Schau möchte mit Werken des 18. und 19. Jahrhunderts sowie zeitgenössischer Arbeiten und aktueller Designs die unterschiedlichen Blickwinkel auf die Tracht deutlich machen.

Seit sich im Zuge der Industrialisierung die städtisch-bürgerliche Mode durchgesetzt hatte, wurde das Tragen einer Tracht immer mehr auf bestimmte ländliche Regionen oder auf besondere Anlässe beschränkt. Zunehmend geriet auch die Funktion einer Tracht als Kommunikationsmittel in den Hintergrund, die einst erkennen ließ, welchen sozialen Stand die Trägerin oder der Träger hatte und welcher Herkunft man war. Doch mittlerweile hat die Trachtenmode wieder einen Aufschwung erlebt, denn in einer sich schnell verändernden Welt scheinen Fragen nach Herkunft und Identität eine neue Relevanz erlangt zu haben: Wurzeln und die eigene Geschichte werden plötzlich ebenso wichtig wie Fragen zur Zukunft. Diesen veränderten Bezug hebt die Ausstellung hervor, indem die Aktualität der Tracht in Kunst und Mode aufgezeigt wird.

 

Tracht als reizvolles Sujet in der Kunst

Tracht als reizvolles Sujet in der Kunst

In der Kunst ist die Tracht in mehrfacher Hinsicht ein reizvolles Sujet, das in Alkersum in Werken ab dem 18 Jahrhundert vorgestellt wird. Auf Grafiken um 1800 sind bunte Trachten zu sehen, die aus verschiedenen Materialien genäht wurden. Um 1900 begeistert die dunkelfarbige Tracht Künstler wie Otto Heinrich Engel, August Wilckens oder Johan Julius Exner, die nach Fanø und Föhr kamen, wo sie ortsansässige Frauen und Mädchen gezeichnet und gemalt haben. Diesen idealisierenden Darstellungen werden in der Ausstellung Arbeiten von Künstlerinnen wie Sabine Dehnel, Sandra Heinz, Anja Luithle, Annette Schröter, Trine Søndergaard und Mila Teshaieva gegenübergestellt, die in Malerei, Fotografie, Grafik und Keramik, ihre persönliche Auseinandersetzung mit der Tracht aufzeigen. Themen wie Heimatverbundenheit, Identifikation und Traditionspflege werden damit auch ironisch-kritisch hinterfragt.

 

Im Modedesign wird die Tracht weitergedacht

Im Modedesign wird die Tracht weitergedacht

Zu den im Museum auf Föhr gezeigten 80 Werken gehören ebenso Beispiele aus dem Modedesign, die das Trachtenthema aufnehmen, umformen und weiterdenken. Dabei finden sich Elemente  der Tracht sowohl in der Haute Couture als auch in alltagstauglicher Kleidung. Die gezeigten Stücke machen deutlich, dass ein moderner Bezug zur Tracht über die bloße Referenz auf modische Dirndl und Lederhosen hinausreicht. So haben sich Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs Modedesign der Hochschule Hannover intensiv mit der Schaumburger Tracht beschäftigt und Elemente der ursprünglichen Kleidung spielerisch verfremdet oder überformt. Daraus sind sowohl opulente Kleidungsstücke und Kopfbedeckungen entstanden als auch moderne und funktionale Varianten. Der Designer Nico Dams hat unter dem Titel „Rungholt“ wiederum Kleider geschaffen, die die friesische Tracht in Farbe, Form und Material ästhetisch weiterdenken: traditionelle Silhouetten und Stickereien werden hier mit Seefahrer- und Marineelementen kombiniert. Und in den Arbeiten der britischen Designikone Vivienne Westwood werden alpenländische Trachtenelemente mit Karomustern verbunden.

Neben dieser umfassenden Ausstellung ermöglicht ein ausgesuchtes Rahmenprogramm eine weiterführende Auseinandersetzung mit dem Thema Tracht: unter anderem mit Artist Talks, Vorträgen und Workshops.

 

Über das Museum Kunst der Westküste

Über das Museum Kunst der Westküste
Das Museum Kunst der Westküste liegt in Alkersum auf der nordfriesischen Insel Föhr und wurde 2009 durch den Gründungsdirektor Thorsten Sadowsky eröffnet. Es handelt sich um ein gemeinnütziges Stiftermuseum, dessen 700 Werke umfassendes Archiv auf der historisch orientierten Gemäldesammlung des Museumsstifters Frederik Paulsen beruht. Der Schwerpunkt des Museums ist die Sammlung, Erforschung und Vermittlung von Kunst, die sich mit dem Thema „Meer und Küste“ auseinandersetzt.

Veröffentlicht am 08.11.2017

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