Patricia Urquiola: zwischen Handwerk und Industrie

Patricia Urquiola: zwischen Handwerk und Industrie

Seit November und noch bis zum 4. März 2018 zeigt das Philadelphia Museum of Art die Ausstellung „Patricia Urquiola: zwischen Handwerk und Industrie“. Hier können die Besucher eine Auswahl an Möbeln und Entwürfen sowie die kreativen Prozesse vom Konzept bis hin zum fertigen Produkt von der spanischen Designerin erkunden. Die Präsentation ihrer persönlichen Inspirationsquellen innerhalb der Ausstellung vermittelt sehr anschaulich, wie es der Designerin gelingt, den Objekten und Umgebungen eine Seele zu verleihen.

 

Patricia Urquiolas gestalterische Ambivalenz

Patricia Urquiolas gestalterische Ambivalenz

Patricia Urquiola stellt immer wieder eine gestalterische Ambivalenz zwischen Handwerkskunst und Industrie her: vom Produktdesign über die Inneneinrichtung bis hin zur Architektur. Dabei gelingt es ihr stets, das Handwerkliche mit dem Industriellen erfolgreich zu verschmelzen. Als thematische Merkmale ihrer Werke stehen dabei immer die Aspekte Komfort, Wohlgefühl und soziale Interaktion im Vordergrund. Der in der Ausstellung präsentierte Stuhl „Crinoline“, den sie im Jahr 2008 für den italienischen Hersteller B&B Italia entworfen hat, spiegelt ihre Faszination für die Handwerkskunst wider. Bei der Formgebung ließ sie sich von den strukturierten Unterröcken des 19. Jahrhunderts inspirieren.

Zu ihren Architekturprojekten gehören beispielsweise das Schmuckmuseum in Vicenza, die Männerboutique Gianvito Rossi in Mailand sowie die Konzeption der Wanderausstellung „Ferrari – Under the Skin“, die sie anlässlich des 70. Firmenjubiläums von Ferrari entworfen hat. Zahlreiche Restaurants, Diskotheken, Showrooms, Stores und Hotels, wie das Luxusboutiquehotel Das Stue in Berlin oder das Hotel Mandarin Oriental in Barcelona, tragen ebenfalls Patricia Urquiolas Handschrift, die zeigt, wie vielfältig ihre Kreationen sind.

 

Komfortables Design mit viel Sinnlichkeit aus spanischer Feder

Komfortables Design mit viel Sinnlichkeit aus spanischer Feder

Als prominente Vertreterin des zeitgenössischen italienischen Designs ist sie zudem bekannt für ihre innovativen und fantasievollen Entwürfe, die zugleich funktionell und pragmatisch sind. Patricia Urquiolas komfortables Design schlägt sich in einer gewissen Leichtigkeit, in verführerischen Formen gepaart mit sinnlicher Inszenierung nieder. Selten bis nie findet man bei ihren Entwürfen rechte Winkel, dafür umso mehr farbenfrohe Elemente, Strickmusterarten, dreidimensionale Dekore und Stil- und Farbmixturen, oftmals in warmen Tönen.

Ihre Gestaltung ist unverwechselbar und so kombiniert sie beispielsweise den Minimalismus mit Floralem und das Reduzierte mit etwas Verspieltem. Die in der Ausstellung präsentierte Chaise „Antibodi“, die sie für Moroso, dem renommierten Hersteller für Polstergarnituren und Einrichtungszubehör, gestaltet hat, zeigt deutlich ihre Vorliebe für Blumen. Eine zerbrochene Muschel und die Form von Antikörpern vermitteln in der Ausstellung sehr anschaulich, woher die Ideen für ihre Designs stammen. Ein japanischer Schneebesen aus Bambus hingegen diente ihr als Inspirationsquelle für die Hängelampe „Chasen“, die sie 2007 für Flos S.p.A. entworfen hat und die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist.

 

Zusammenarbeit mit Designlegenden und internationalen Marken

Zusammenarbeit mit Designlegenden und internationalen Marken

Die Vielseitigkeit von Patricia Urquiolas Arbeit und das Ernstnehmen der Wünsche ihrer Auftraggeber sind das Geheimnis ihres Erfolgs. Heute lebt und arbeitet, die im Jahr 1961 im nordspanischen Oviedo geborene Spanierin in Mailand. Sie studierte zunächst Architektur an der polytechnischen Universität in Madrid und wechselte später nach Mailand, wo sie im Jahr 1989 unter dem einflussreichen Lampendesigner Achille Castiglioni promovierte. Parallel arbeitete sie an der ENSCI-Designhochschule in Paris. Zur gleichen Zeit lernte sie über eine Partnerschaft mit dem italienischen Wohnausstatter und Luxuslabel De Padova die Designlegende Vico Magistretti kennen. In den 90erJahren übernahm sie die Leitung der Produktentwicklung bei De Padova und beim Designstudio Lissioni Associati’s von Pierro Lissoni.

Zusammen mit Vico Magistretti entwarf Patricia Urquiola ihre ersten Möbelstücke für den Handel, u. a. den Stuhl „Flower“ und das Sofa „Loom“. Daraufhin entwarf sie eine ganze Reihe an wegweisenden Sitz- bzw. Polstermöbeln für Moroso, gefolgt von zahlreichen Aufträgen von anderen italienischen und internationalen Marken, wie Agape, Alessi, Baccarat, B&B, Boffi, Budri, Driade, Flos, Gan, Georg Jensen, Glas Italia, Haworth, Kartell, Kvadrat, Listone Giordano, Louis Vuitton, Moroso, Mutina, Rosenthal und Verywood. Im Laufe der Jahre erweiterte sie ihr Schaffensgebiet vom Möbeldesign bis zum Baddesign und arbeitet heute auch für Hansgrohe. Im Jahr 2001 eröffnete sie ihr erstes eigenes Designstudio, das sich bis heute in einem ehemaligen Lagerhaus in der Via Seneca, einer ruhigen Seitenstraße in Mailand befindet.

 

Ehrenvolle Designauszeichnungen

Patricia Urquiola wird in internationalen Medien beinahe regelmäßig zum „Designer des Jahres“ gewählt und mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichnet. Darunter die Auszeichnung „Designer des Jahrzehnts“ für die deutschen Magazine „Home“ und „Häuser“. 2004 erhielt sie für den Tisch „Diamond Table“ und 2013 für die Loungekollektion „Hosu“ im Cross-over-Design eine Auszeichnung beim Red Dot Design Award.

 

Philadelphia Museum of Art

Philadelphia Museum of Art

Philadelphia Museum of Art

Das Kunstmuseum Philadelphia Museum of Art befindet sich auf einer Anhöhe in Philadelphias Fairmount Park. Das benachbarte Rodin-Museum und die Fairmount Park Houses gehören ebenfalls zum Museum, das eine der größten und bedeutendsten Sammlungen der USA beherbergt und jährlich wechselnde Ausstellungen zeigt. Skulpturen von der Antike bis zur Moderne stehen hier neben der Kunst des Nahen und Mittleren Ostens.

Weitere Schwerpunkte sind die Abteilungen für asiatische Kunst, Kunsthandwerk, Kleidung und Textilien sowie eine fotografische Sammlung. Zusätzlich werden in den Epochenräumen, die sogenannten Period Rooms, die Originaleinrichtungen von Häusern aus Europa, Asien und Amerika gezeigt. Und wer sich nicht für die Inhalte des Museums interessiert, der kommt allein wegen des Museumsgebäudes, das aus dem Kino bekannt ist und bereits Schauplatz für Filme, wie „Philadelphia“ und „Rocky“ war.

Veröffentlicht am 02.02.2018

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