Night Fever – Design und Clubkultur (1960 – heute)

Night Fever – Design und Clubkultur (1960 – heute)

Die Ausstellung „Night Fever – Design und Clubkultur (1960 – heute)“ ist vom 17. März bis zum 9. September im Vitra Design Museum in Weil am Rhein in der Schweiz zu sehen.

Es ist die erste umfassende Ausstellung zur Design- und Kulturgeschichte des Nachtclubs, die mit zahlreichen Clubbeispielen der Geschichte, die als gelungene Gesamtkunstwerke gelten, auf sich aufmerksam macht. Gezeigt werden neben Möbeln, Modellen und Mode auch seltene Filmdokumente, Grafikdesign sowie zeitgenössische Kompositionen von Künstlern und Fotografen wie Marc Leckey, Chen Wei oder Musa N. Nxumalo. Ergänzend zu dem chronologischen Aufbau der Ausstellung unterstützen die Installationen vom Lichtdesigner Matthias Singer und vom Gestalter Konstantin Grcic die faszinierende Reise durch die Subkulturen und Glitzerwelten, die auf eine lebendige sich fortwährende Clubkultur hindeuten. Durch das gelungene Zusammenspiel von Musik und Licht gelingt es den Besuchern mühelos direkt in die bewegte Geschichte der Clubkultur einzutauchen. Zusätzlich unterstreichen Musikbeispiele, wie eine ausgewählte Sammlung von Plattencovern, darunter Peter Savilles Designs für Factory Records oder Grace Jones‘ programmatisches Albumcover „Nightclubbing“, die wichtigen Zusammenhänge von Musik und Design in der Clubkultur von 1960 bis heute.

 

Clubs von 1960 bis heute

Clubs von 1960 bis heute

In den 1960er Jahren entwickelten sich die Nachtclubs und Diskotheken zu wahren Epizentren der Popkultur. Sie galten als Versammlungsort der Avantgarde. Bei dem fröhlichen „get-together“ der nächtlichen Szene wurden noch anders als heute die gesellschaftlichen Normen infrage gestellt. Sie waren mehr als nur ein Ort, sie waren ein Raum für intensive und multimediale Erfahrungen. Die Clubs eröffneten neue Möglichkeiten der Raumgestaltung. Die Verschmelzungen von Innenarchitektur, Möbeldesign, Licht, Musik und sogar Mode waren fließend und vor allen Dingen offen für alternative Lebensstile.

Die Musikkultur hat sich im Zeichen von Musikfestivals rund um den Globus zu einem Erlebnis für jedermann entwickelt, das auch von globalen Marken aufgegriffen und zur Vermarktung genutzt wird. Die einstige Aufbruchsstimmung ist verflogen und viele angesehene Nachtclubs aus vergangener Zeit sind längst Geschichte. Umso erfreulicher ist es, dass mittlerweile eine Generation von Architekten heranwächst, die sich abermals mit dem Nachtclub als Typologie auseinandersetzt.

 

Eine Discobewegung im Saturday Night Fever

Eine Discobewegung im Saturday Night Fever

Eine Discobewegung im Saturday Night Fever

In den 1970er Jahren erfuhr die Clubkultur mit dem Aufstieg der Discobewegung einen enormen Entwicklungsschub. Die Discomusik wurde als eigenes Genre anerkannt während der „Dancefloor“ (dt. Tanzfläche) eine Bühne für kollektive und individuelle Auftritte bot. Modemacher wie Stephen Burrows oder Halston lieferten die passenden Outfits für den glanzvollen Auftritt. Ende der 1970er Jahre stellte der damalige Kinokassenschlager „Saturday Night Fever“ dann den Höhepunkt der Kommerzialisierung der Discobewegung dar. Gleichzeitig boten Clubs wie der „Mudd Club“ (1978) oder „Area“ (1978) in New York durch die Verbindung von Nachtleben und Kunst aufstrebenden jungen Künstlern neue Möglichkeiten. Zu dieser Zeit begann die Karriere von Keith Haring und Jean Michel Basquiat. Parallel entwickelte sich in den Londoner Clubs wie „Blitz“ und „Taboo“ mit den New Romantics ein neuer Musik- und Modestil.

 

Clubs im Radical Design

Clubs im Radical Design

Aber auch Orte der New Yorker Subkultur, wie der „Electric Circus“ (1967), der von dem Architekten Charles Forberg und dem berühmten Grafikdesignduo Chermayeff und Geismar gestaltet wurde, finden in der Ausstellung „Nightfever“ eine würdige Erwähnung. Charles Forberg beispielsweise beeinflusste mit seinem multidisziplinären Charakter auch Clubs in Europa, die in Kooperation mit Architekten des italienischen Radical Design entstanden. Darunter den „Space Electronic Club“ in Florenz (1969), der von dem Kollektiv Gruppo 9999 konzipiert wurde, sowie der im Jahr 1966 von Giorgio Ceretti, Pietro Derossi und Riccardo konzipierte „Club Piper“ in Turin, der sich mit seinen modularen Möbeln nicht nur zum Tanzen, sondern auch für Konzerte und experimentelles Theater eignete. Ähnliche Eignung, hatte auch der von der Gruppe UFO gestaltete Strandclub „Forte dei Marmi“ in der Toskana, der jeden Sommer thematisch umgestaltet wurde.

 

Legendäre Clubs in den Metropolen New York und London

Studio 54

Studio 54

Die wohl bekanntesten Beispiele, die in der Ausstellung ihren Platz haben, sind das legendäre „Studio 54“ in New York und das „Ministry of Sound“ in London. Im Jahr 1977 eröffneten Ian Schrager und Steve Rubell das Studio 54. Der Architekt Scott Bromley und der Interior Designer Ron Doud verwandelten die Location zu einem beliebten Treffpunkt. Lange Zeit galt das „Studio 54“ zu den berühmtesten Nachtclubs der Welt, indem Stars, wie Andy Warhol, Liza Minelli, Diana Ross, John Travolta und viele mehr Stammgäste waren. Auf den Eintrittskarten stand „dress spectacular“; nicht für jeden öffnete sich die Tür. Entweder man war schon berühmt oder man wusste sich zu verhalten, um an der Tür vorbeizukommen. Der trendige Club schloss das erste Mal im Jahr 1980 und dann endgültig im Jahr 1986 seine Türen.

Ministry of Sound

Ministry of Sound

Anders als der Club „Ministry of Sound“ in London, der von Jamie Palumbo gegründet wurde und der bis heute existiert. Für dessen Gestaltung war das niederländische Architektenbüro OMA unter der Ägide von Rem Koolhaas verantwortlich. In den frühen 1990er Jahren war der Club ausschlaggebend für die Entwicklung der House-Musik in Großbritannien. Die Genres House und Techno entstanden ursprünglich in den Clubs von Chicago und Detroit. Sie können als die beiden letzten großen Bewegungen der „Dance Music“ bezeichnet werden, die eine ganze Generation von Clubs und Ravern prägte.

 

Wenn Sie mehr Architektur, u. a. von Nachtclubs, entdecken möchten, empfehlen wir Ihnen unsere Kategorie Architektur & öffentlicher Raum. Hier finden Sie auch den Omni Nightclub Taipei, der beim Red Dot Design Award 2017 die lobenswerte Auszeichnung Red Dot: Best of the Best erhalten hat.

Veröffentlicht am 13.02.2018

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