Making Africa – afrikanisches Design im Albuquerque Museum

Making Africa – afrikanisches Design im Albuquerque Museum

Bereits 2015 zeigte das Vitra Design Museum in Weil am Rhein die Ausstellung „Making Africa – ein Kontinent zeitgenössischen Designs“, die seitdem auf Tournee ist und ab dem 3. Februar 2018 im Albuquerque Museum USA eröffnet. Anlässlich der Ausstellung und für den begleitenden Katalog wurden in einer zweijährigen Recherchephase zahlreiche Think Tanks und Interviews in afrikanischen Metropolen wie Kapstadt, Kairo, Nairobi Lagos, Dakar, abgehalten. Circa 70 Designer, Künstler, Wissenschaftler, Architekten, Galeristen und Kuratoren wurden dafür speziell konsultiert. Als Ergebnis konnte eine bislang einzigartige Menge an Quellenmaterial zu Design in Afrika zusammengetragen werden.

 

Zeitgenössisches afrikanisches Design

Im Fokus der Ausstellung, die von der Kulturstiftung des Bundes mitfinanziert wurde, steht zeitgenössisches afrikanisches Design. Die junge Generation, die sogenannten „digital natives“, möchte dem Publikum eine neue Sicht auf die Dinge und damit eine neue Sicht auf Afrika vermitteln. Die präsentierten Werke sind experimentell, sie brechen mit gängigen Konventionen und regen zum Nachdenken an. Sie sind gleichzeitig das Spiegelbild der neuen afrikanischen Generation, die sich vielerorts in Aufbruchsstimmung befindet und die den Begriff „kritisches Design“ populär macht. Als „kritisches Design“ wird ein schöpferisches Gestalten bezeichnet, das mit einer sozialen Mission verbunden sein sollte. Es bricht mit dem Althergebrachten und den Definitionen von Design, Kunst, Fotografie, Architektur oder Film und mit den Sichtweisen, die stark von dem westlichen Einfluss geprägt sind.

 

Afrika als Tor zur Welt

Afrika als Tor zur Welt

Jahrhunderte lang gaben die Europäer vor, was Kunst zu sein hatte und bezeichneten die afrikanische Kunst als „primitiv“ und reduzierten sie auf das Kunsthandwerk. Der den Kunstwerken nachgesagte ethnologische Charakter war der Grund, warum es bislang kaum eins davon in die Kunst- und Designmuseen geschafft hat. Zum Glück hat der Wandel bereits begonnen und ein Umdenken stattgefunden, wenn auch nicht immer ganz frei von Klischees. In den Medien ist die Rede vom „afrikanischen Aufschwung“. Das rapide Wirtschaftswachstum sorgt schon heute für einen tiefgreifenden Wandel auf dem Kontinent und wird auch zukünftig ein wichtiges Thema sein. Im Zeitalter der digitalen Kommunikation werden neue Plattformen geschaffen, auf denen der Informationsaustausch stattfinden kann. Die Anzahl der registrierten Mobiltelefone steigt bereits stetig und wird sich auch in Zukunft weiter nach oben korrigieren. Das dies den Alltag der Afrikaner beeinflussen wird und sich dadurch die Perspektiven langfristig ändern werden, das steht außer Frage.

 

Afrikas Streben nach dem Aufbruch

Die Ausstellung präsentiert Afrika als Experimentierfeld, in dessen Zentrum neue Ansätze und Lösungen stehen, die in die Welt gehen sollen. Sie werden als Motor für eine neue Diskussion verstanden, die sich damit auseinandersetzt, was Design im 21. Jahrhundert alles leisten kann. Zukunftsweisende Gestaltungsansätze ermöglichen in Afrika beispielsweise ein viel umfassenderes Verständnis von Design als es in westlichen Kulturkreisen der Fall ist. Noch heute symbolisiert die Architektur Afrikas das Selbstbewusstsein der Bevölkerung und das Streben nach dem Aufbruch, entstanden in einer Zeit nach der Unabhängigkeit, das schnell wieder verloren ging. Das belegen die historischen Dokumente in der Ausstellung. Diese werden den zeitgenössischen Werken gegenübergestellt und verdeutlichen, wie die heutige Generation bewusst an das Schaffen einer Epoche anknüpft, deren Aufbruchsstimmung mit der von heute vergleichbar ist. Schon damals zeigten in den 1960er Jahren die Fotografen Seydou Keïta und Malick Sidibé einen Kontinent jenseits von Kriegen, Krisen und Katastrophen.

 

Sozialkritische Werke von afrikanischen Designern

Sozialkritische Werke von afrikanischen Designern

Die Vielfalt an Arbeiten von 120 Designern und Künstlern zeigt, wie afrikanisches Design Einfluss auf die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen des Kontinents nimmt. Die Palette reicht von Möbel-, Objekt-, Mode- und Softwaredesign bis hin zu Architektur, Kunst, Fotografie, Film, Video und Comic. Viele Objekte bestehen aus Müll– ein Nebenprodukt des Wandels –, den die jungen Gestalter gerne als Material für ihre Designs verwenden. Aus gebrauchten Autoreifen werden Sitzmöbel hergestellt, so wie bei Amadou Fatoumata Ba und weggeworfene Flaschenverschlüsse werden zu filigranen Wandteppichen verarbeitet, wie bei El Anatsui. Die ausgestellten Werke sind mal kritisch und mahnend, mal provokativ und dann wieder witzig. Die Brillenskulpturen des kenianischen Künstlers Cyrus Kabiru stehen beispielsweise sinnbildhaft für einen neuen Blick auf Afrika, während die Möbel des malischen Designers Cheick Diallo, gefertigt aus Konservendosen, Platinen, Verpackungsmaterial oder Altmetall, kritisch auf den maßlosen Konsum und ein wachsendes Müllproblem in Afrika hinweisen. Weiter sind die Fotografien von Mário Macilau und J.D. ̓Okhai Ojeikere sowie der animierte Kurzfilm des in Berlin lebenden Südafrikaners Robin Rhode zu sehen. Auch die berühmten und markanten Stadtmodelle aus Pappe von Bodys Isek Kingelez werden gezeigt, die ab dem 26. Mai 2018 im „The Museum of Modern Art“ in Manhatten, New York ausgestellt werden.

 

„Making Africa“ der Katalog zur Ausstellung

Passend zur Ausstellung ist die umfangreiche Publikation „Making Africa“ erschienen, die sich dem kreativen Schaffen widmet und einen Überblick über das Design der Gegenwart auf dem afrikanischen Kontinent bietet. Ein umfassender Katalogteil dokumentiert die Werke von über 120 Protagonisten der neuen kreativen Klasse Afrikas. Die historischen und theoretischen Hintergründe erörtern Essays und Gespräche mit Okwui Enwezor, Koyo Kouoh, Edgar Pieterse und Amelie Klein.

Making Africa*

Weitere Informationen über die Werke, Künstler und Hintergrundgeschichten zur Ausstellung finden Sie hier: http://makingafrica.net/.

Veröffentlicht am 26.01.2018

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